Ostern in Georgien
Sie feiern Ostern in den westeuropäischen Ländern, oder Sie haben es schon gesehen, wie das Fest gefeiert wird, aber wissen noch nicht, wie die östlichen Christen der Auferstehung Christi begegnen? Dann kommen Sie mit uns auf die Reise nach Georgien, wo sie die Exotik dieses Festes hautnah erleben können. Damit Sie aber einen Vorgeschmack bekommen, nehmen wir Sie erstmal auf eine virtuelle Reise mit.
Ostern ist in Georgien das größte Fest. In einem Gesang heißt es: „Christus ist auferstanden und mit seinem Tod hat er den Tod begraben“. Genau die Tatsache, dass Jesus den Tod besiegt hat und uns den Menschen die Himmelspforte zugänglich gemacht hat, macht Ostern so besonders. Man sagt sogar, dass wenn jemand am Ostern stirbt, direkt in den Himmel kommen würde.

Großes Fest, große Vorbereitung
Das Fest kommt nicht einfach, es braucht seine Vorbereitungszeit. Nach der Faschingswoche, was bei uns die Käsewoche genannt wird, beginnt das große Fasten. Fasten heißt aber nicht hungern, sondern sich vegan ernähren. Jeder Gläubige geht zur Kirche und nimmt an dem Gottesdienst teil. Der Gottesdienst wird in der Karwoche besonders intensiv. Die Priester sind zum Teil schwarz gekleidet und mit den Lesungen wird an das Leben Jesus erinnert.
Das Credo eines Christen ist, vor dem Ostern viel Geduld aufzubringen, damit er das Fest losgelost und mit gutem Gewissen feiern kann. In der Zeit gibt es in den Kirchen noch Salbung mit Öl. Es taucht im 2. Buch Moses (30, 23-25) auf. Es werden Myrre, Zimt, Kalmus und Kassia mit Olivenöl gemischt und an verschiedenen Stellen des Körpers aufgetragen.

In der Karwoche gibt es noch verschiedene kirchliche Events, wie zum Beispiel die Fußwaschung am Gründonnerstag und Christi Grablegung an Karfreitag. Um diese Zeremonien persönlich zu erleben, buchen viele Reisende den Urlaub in Tiflis und sind an diesen besonderen Geschehnissen live dabei.
Abgesehen von all den kirchlichen Feierlichkeiten bereitet man sich in den Familien auch kulinarisch auf das Osterfest vor, damit die Kultur und Traditionen nicht zu kurz kommen.
Einige Wochen vor Ostern nimmt man feuchte Watte und darauf säht man Weizenkörner aus. Daraus wächst das wunderschöne Ostergras.
VERBRINGEN SIE DIE OSTERFERIEN IN GEORGIEN
Paska, das schmackhafte Osterbrot
Bereits am Gründonnerstag bereitet die Familienmutter den Teig für das Osterbrot, was wir, in der Ostkirche nennen, vor. Das ist ein süßer Hefeteig, mit Rosinen. Der Überlieferung zufolge erschien Jesus Christus seinen Jüngern nach der Auferstehung während eines Mahls. Die Apostel hatten einen zentralen Platz für den Erlöser vorbereitet und in die Mitte des Tisches wurde Brot für ihn gelegt. Genau im Zusammenhang mit diesem biblischen Ereignis entstand im Laufe der Zeit eine Tradition, wonach Brot (auf Griechisch „artos“) auf einen besonderen Tisch im Tempel gelegt wird. Auf diese Weise gedenken die Gläubigen des Mahls Christi mit den Aposteln.
Es gab Unstimmigkeiten darüber, ob der Teig mit, oder ohne Hefe zubereitet werden sollte. Die Ostkirche hat sich für den Hefeteig entschieden.

• Der Hefeteig ist ein Symbol der Gnade – durch Gnade wird der wahre Glaube in der ganzen Welt verbreitet, durch Gnade werden Menschen für das Königreich gewonnen und gerettet.
• Man bereitet zu Ostern Hefebrot zu, das süß sein soll – „Du bist süß, Herr, und lehre mich in deiner Süße deine Gerechtigkeit.“ Der geistige Süße, der Süße Jesu spiegelt sich auch im Irdischen wider.
• Gleichzeitig ist Paska Brot. Der Herr sagt: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Wir wissen, dass der Wein und das Brot des Abendmahls durch die Gnade Gottes gesegnet und in das Blut und Fleisch des Herrn verwandelt werden.
Die moderne Form des Osterbrotes entstand erst im 19. Jahrhundert. All dies ist dem polnischen König Stanisław Leśinski und insbesondere seinem Koch zu verdanken. Letzterer war es, der dem Osterbrot seine Form gab. Symbolisch markiert Ostern Golgatha, den Berg, auf dem Jesus Christus gekreuzigt wurde.
Paska braucht besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung, damit der Teig schön aufgeht. Manchmal werden die Kinder sogar aus der Küche verbannt, denn wenn die Kinder laut sind, wird der Teig sauer und geht nicht mehr auf. Nach dem Paska fertig ist, wird es aufbewahrt und niemand darf es bis Sonntag anschneiden. Wenn Sie Paska nachbacken möchten, hier finden Sie das Rezept dazu:
Paska wurde früher in Georgien Kulitsch genannt. Man macht Paska auch aus Quark, der ebenfalls vorzüglich schmeckt. Die Hausfrauen haben einen regelrechten Wettbewerb miteinander, wessen Paska besser schmeckt, denn das Paska Backen ist mittlerweile schon eine Kunst geworden.
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Nun, sind die Eier zum Färben da!
Am Karfreitag sind die Eier mit Färben daran. Zuerst kauft man Krapp Wurzel und zerhackt man sie. Danach werden die Wurzel mit dem Wasser aufgekocht und somit ist der Süd zum Eierfärben fertig. Dann legt man die Eier einzeln rein und man kocht sie hart. Als Ergebnis bekommen wir purpurrote Eier, die man vorsichtig auf den Teller legt und auch bis Ostern in dem Küchenschrank versteckt.
Einer Version zufolge wird diese Tradition mit Maria Magdalena in Verbindung gebracht. Der Überlieferung nach beschloss sie, Kaiser Tiberius die frohe Botschaft von der Auferstehung Christi zu überbringen. Da es nicht möglich war, ohne ein Geschenk zum Herrscher zu gehen, überreichte ihm die Frau ein symbolisches Geschenk – ein Hühnerei – und sagte: Christus ist auferstanden!
Der Kaiser sagte zu Maria Magdalena: „Das ist genauso unvorstellbar, wie diese weißen Eier rot zu färben.“ Bevor Tiberius zu Ende sprechen konnte, wurde das Ei rot. Genau aus diesem Grund heißt es in Georgien, dass richtig gefärbte Eier genau die roten sind, aber für die Kinder macht man doch Ausnahmen und man bemalt die Eier auch bunt.

Sogar während der Sowjetunion färbte man weiterhin Eier und die Großeltern erzählten, wie sie ihre gefärbten Finger vor den Lehrern versteckten.
Außer Brot und Eier werden noch weitere Köstlichkeiten zubereitet, denn was wäre das Osterfest ohne ein Festmahl, zumal dass man ganze 48 Tage davor gefastet hat? Außerdem können auch Gäste kommen und der Gastgeber möchte mit der georgischen Gastfreundlichkeit brillieren.
Nach dem man die ganze Nacht in der Kirche an der festlichen Messe teilgenommen hat und in den Morgengrauen erfüllt mit der Auferstehungsfreude gekommen ist, kann man sich kaum ins Bett legen. Schön früh beginnen die Kinder mit der Eierschlacht und das Osterbrot wird auch angeschnitten. Die Familienmutter erwartet Komplimente, wie großartig doch das Brot geworden sei.
Großartige Tafel, an denen auch die Toten nicht zu kurz kommen
Die Gäste kommen und es wird gefeiert. An vielen Tischen gibt es Lammfleischgerichte, das Lamm als unschuldiges Opfer angesehen wird. Den Tisch schmücken in das Ostergras gelegte rote Eier und das Osterbrot. Den Tisch peppt ebenfalls ein köstlicher Frühlingseintopf auf. In dem Eintopf sind viele frische Kräuter, die die Frühlingsstimmung der Tafel noch lebendiger machen.
Am Ostern ist es eine Tradition, entweder direkt am Ostern, oder am Ostermontag die Gräber zu besuchen. Man nimmt Essen und Trinken mit und an den Tischen, die man in Georgien an den Friedhöfen zu Genüge findet, wird symbolisch zusammen mit den Verstorbenen gefeiert.

An dem Tag macht man keinen Unterschied, ob tot, oder lebendig, an dem Tag feiern alle! Es kann sein, dass die Feiernden die Friedhöfe angetrunken und torkelnd verlassen, aber es ist alles zugelassen, denn es ist das Fest des Lebens.
Besonders stark wird diese Tradition in den georgischen Bergdörfern gepflegt. Da viele Familien die Gräber auf dem Land haben, aber die unbedingt besucht werden müssen, fährt man aus der Stadt raus. In diesen Tagen werden die Städte leer, aber die Straßen voll.
Christus ist auferstanden!
Die Stimmung zum Ostern ist in Georgien direkt mit dem Frühlingserwachen zu vergleichen. Alle sind voller Hoffnung, aufgeregt und jeder möchte dem Fest angemessen begegnen. Die Kinder können kaum schlafen, da die Ostereierschlacht bevorsteht und tolle Gebäcke auf sie warten. In den Dörfern hört man von Haus zu Haus den Ruf: „Christus ist auferstanden“, „wahrhaftig auferstanden“! Bis zur Christi Himmelfahrt begrüßt man sich ausschließlich auch nur auf dieser Weise.
Ab Ostern wird es warm, die erwachte Natur bekommt noch mehr Sonnenstrahlen, denn die Erlösung uns den Menschen noch einmal bestätigt wird.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann können Sie sich überlegen, eine Kurzreise nach Georgien zu Ostern vorzunehmen. Die Georgier werden sie in Arme schießen und verwöhnen.

Celebrate Traditional Easter in Georgia
Easter is the greatest Christian holiday celebrated by Christians all over the world. This day is the symbol of the victory of good over evil. Georgia has always celebrated easter in a special way.